Biographie

Willy Guglhör wurde am 18.Januar 1929, in Murnau am Staffelsee, als Sohn des Schreiners und Zimmermanns Josef und seiner Ehefrau Anna (geb. Tafertshofer), geboren. Der Vater starb bereits im Jahre 1935 an TBC, als Willy Guglhör erst 6 Jahre alt war. Da beim Tod des Vaters der Neubau in Murnau (Im Lindenthal 10) einigermaßen bewohnbar war, versuchte die Mutter als Schneiderin mit Näharbeiten – damals noch bei Kerzenlicht – das Haus für sich und die beiden Kinder, nach und nach fertig zu stellen. So wuchs Willy, und sein jüngerer Bruder Josef, in höchst ärmlichen Verhältnissen auf.

Nach 2 Jahren im Kindergarten, unter der Leitung von Benediktinerin-nen, besuchte er 8 Jahre die Volksschule in Murnau. Das verlockende Angebot des damaligen Pfarrers von St. Nikolaus, Herrn Matlehner, Priester zu werden, lehnte er mit der Begründung ab, dass ihm die Mädchen halt zu gut gefallen.

Schon in der Schule fiel Guglhörs außerordentliche Begabungen fürs Zeichnen, Malen und Gestalten, sowie sein Ideenreichtum auf. Deshalb beschloss er – bereits mit 15 Jahren – mit Hilfe eines Stipendiums an der Staatlichen Fachschule für Holzbildhauerei in Oberammergau zu studieren (1944 – 1948). Unter den 75 Schülern seines Jahrgangs hat er als Bester in allen Sparten mit der Note 1 abgeschlossen. Aufgrund seiner schon in jungen Jahren erkannten künstlerischen und handwerklichen Fähigkeiten holte Prof. Joseph Henselmann den Absolventen der Fachhochschule in sein Atelier nach München. Im Zusammenhang mit seinen Aufträgen übertrug ihm der Professor vielfältige bildhauerische Aufgaben. So wurden die 2 Jahre bei Prof. Henselmann zum Sprungbrett für Herrn Guglhörs Studium an der Münchner Akademie der Bildenden Künste. Von den 12 belegten Studiensemestern waren die letzten 5 die eines Meisterschülers mit eigenem Atelier (Abschluss mit Diplom).

Bereits während des Studiums wurde Willy Guglhör zu einem Symposium „Interbau“ unter Leitung von Herrn Prof. Bartning 1957 nach Berlin eingeladen. Durch die Begegnung mit anderen Künstlern, vor allem aber auch mit Architekten, bekam er Einblick in die Strukturen der Architektur. Die Liebe zu dieser Kunst prägte fortan sein Leben als freischaffender Bildhauer, und beeinflusste auch sein graphisches Werk. Sie wurde zur Basis für große, oft schwierige, stets vielfältige Aufträge. Ein Grund dafür, warum seine Karriere mehr von internationalen und nationalen Aufträgen geprägt war, als von Ausstellungen.

Beispiele:

In Montreal (Kanada) entstand anlässlich der EXPO 1968 eine monumentale, abstrakte Rundplastik. In Kleve, Varennes-en Argonne und Lille schuf der Künstler Kriegsdenkmäler. In Bordeaux wurde ihm die Innenausstattung eines Gourmet-Restaurants übertragen. Auch in Deutschland erhielt er zahlreiche Aufträge, so die Gestaltung einer Foyer-Wand (40 m lang, 4 m hoch), in der Meistersingerhalle in Nürnberg. In Würzburg entstanden bronzene Türgriffe für ein Kaufhaus. Im Chefbüro eine kupfergetriebene Wand und ein bronzevergoldeter Brunnen. In Garmisch übertrug man Herrn Guglhör eine Wandgestaltung in Aluminium, in der Aula eines Gymnasiums. In seinem Heimatort Murnau gestaltete er die Innenausstattung der Sparkasse und die Außenwand des Gymnasiums (in Beton). Leider wurden diese Werke im Zuge sogenannter Modernisierungsmaßnahmen liquidiert.

Neben weltlichen Aufgaben hatte der Künstler auch Arbeiten an kirchlichen Bauten auszuführen. So entstanden aus Kupfer getriebene Flügeltüren eines Krematoriums in Schweinfurt. In Sonthofen 2 große Flügeltüren für die Kirche St. Christoph, ebenfalls aus Kupfer getrieben, und ein großes Kruzifix aus Holz im Inneren der Kirche. In Peißenberg, in der Eingangshalle, entstand eine Kupfer getriebene Wand zum Thema St. Ulrich (Darstellung der Flucht der Hunnen in der Schlacht am Lechfeld), und eine Betonwand für eine Kapelle des Caritas-Altenheimes.

All diese nationalen und internationalen Arbeiten bzw. Aufträge wurden entscheidend durch Herrn Guglhörs Studienaufenthalte in verschiedenen Ländern mit ihren charakteristischen Kulturen geprägt, sei es nun Italien, Spanien, Frankreich, die Türkei oder auch Ägypten, Mexiko, Indien, Nepal, Indonesien oder Bali.

Die Architektur Washingtons, New Yorks, Chicagos und San Franciscos hat den Künstler ebenfalls beeinflusst.

Auch Ausstellungen gehören zu Herrn Guglhörs Biographie. Hier wären Ravensburg, Baden-Baden, Garmisch, aber vor allem München (Haus der Kunst), zu Beginn des 21. Jh. auch Ascona, zu erwähnen.

Neben all den Aufträgen und Ausstellungen hat Willy Guglhör von Anfang an im Kuratorium als Mitglied der Jury, als Schatzmeister, zuletzt 2 Jahre als Präsident, für die Freie Münchner und Deutsche Künstlerschaft e.V. ehrenamtlich gearbeitet. Dadurch konnte er auch vielen jungen, noch unbekannten Künstlern, zu einer Ausstellung ihrer Arbeiten verhelfen.

Auch während seiner 2-jährigen Tätigkeit an der Fachschule für Holzschnitzerei in Oberammergau (1984 – 1986) hatte er die Möglichkeit, talentierte Schüler an die Akademie der Bildenden Künste in München zu empfehlen.

Zum Schluss seien noch die Preise zu erwähnen, die zu jeder Künstlerbiographie gehören. Hier wären die zu seiner Zeit noch üblichen Künstler-Wettbewerbe zu nennen, bei denen er mehrfach den 1. oder 2. Preis errang. 1974 verlieh ihm die Stadt München den Seerosen-Preis.

Herrn Guglhörs allererste Ausstellung – mit erst 20 Jahren – fand im alten Murnauer Kurhaus 1949 statt. Dort stellte er zusammen mit anderen Murnauer Künstlern, wie z.B. dem Bildhauer Pfefferer, dem Maler Krieg, und der damals schon bekannten Malerin Gabriele Münter aus. Sie bat ihn, ein Portrait von ihr anzufertigen, was der damals noch sehr junge Bildhauer in seiner Bescheidenheit leider ablehnte.