MEIN Künstlerportrait

Was mir in meinem Künstlerleben als Künstler-Ego besonders wichtig war und mich geprägt hat:

1. Das HAUS der KUNST
Meine Mitarbeit in der Freien Münchener Künstlerschaft e.V., im Haus der Kunst – als Juror, Schatzmeister und Präsident der Ausstellungsleitung (1981-1984) und als Präsident der obigen Künstlerschaft (1980), gemeinsam mit meiner Sekretärin Frau Dr. v. Szalay die meine künstlerische Laufbahn, und meinen geistigen Horizont vielseitig ergänzt und erweitert hat. Besondere Freude hat mir die Förderung junger Maler und Bildhauer – unmittelbar nach Abschluss ihrer Ausbildung an der Akademie der Bildenden Künste – gemacht. Ich sah es als meine Aufgabe an, junge Talente in Künstlerkreisen, und vor allem in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Bei den jährlichen Ausstellungen des „Herbstsalons“ hatte ich die Möglichkeit, mich mit anderen Künstlerpersönlichkeiten und ihren Arbeiten, in anregenden, offenen Gesprächen auseinander zu setzen. Somit konnte ich mir auch klar machen, dass „jeder Künstler nur in seinem Atelier der Beste“ ist.

2. Faschingsdekoration und Feste-Gestaltung
Im Regina-Palast-Hotel und im Schwabinger Bräu (1949-1989). Bei den „Monopteros“ Faschingsfesten in München machte es mir zusammen mit meinen Künstlerkollegen großen Spaß, vielfältige freie ausgeflippte Formen zu gestalten, vor allem aber originelle Masken zu entwerfen. Die Liebe zu ausgefallenen, interessanten Masken hatte mein Onkel Xaver schon als Bub in mir erweckt, der leidenschaftlich Masken sammelte und sie im Karneval selbst gerne trug. Diese Faschingsbälle, die ausschließlich von Münchner Künstlern gestaltet und organisiert wurden, waren nicht nur eine alte Münchner Tradition, sondern auch eine Gegenveranstaltung zu denen von der Stadt München veranstalteten (z.B. im „Deutschen Theater“).

3. Ascona (2000-2010)
Meinem „Dezennium“ in der einst berühmten Künstlerkolonie, in der u.a. die Malerin Gabriele Münter lebte, ebenso Schriftsteller wie Remarque oder Gräfin Franziska v. Reventlow, verdanke ich unzählige, für mich völlig neuartige künstlerische Impulse. In meinen ersten Jahren im Tessin wurde das sommerliche Jazz-Festival, das wichtigste Motiv meiner Graphiken. Vor Ort, sozusagen von Angesicht zu Angesicht, alle Instrumente direkt vor meinen Augen, hielt ich die markanten Gesichter internationaler Jazz-Musiker beim Spiel unmittel-bar auf meinem Skizzenblock fest. Bei Frau B. Siegrist, in der Via Orelli 6, direkt an der Uferpromenade des Lago Maggiore gelegen, entstanden zahlreiche Graphiken und Plastiken. Noch nie hatte ich, der ich vor allem in Oberbayern lebte, die Möglichkeit, mich mit so vielseitigen Formen auseinanderzusetzen. Rein zufällig entdeckte ich eines Tages den „Künstlerpfad“ auf dem Monte Verita, den Forstmeister Rolf Hürzeler, Hobby-Bildhauer, mit einer TOTEM-Plastik aus Eichenholz eröffnet hatte. Aus reinem Spaß an der Freud, ohne jegliche Bezahlung, konnte ich in diesem herrlichen Wald – Dank der Unterstützung von Herrn Hürzeler – mit meinen Plastiken, meist aus Eichenholz: „Waldgeists Liebestraum“, „Hirte mit Hirta-Madl und Ziegen“, „Wildsau-Ziegenbock-Brunnen“, „Schlange der Verführung mit Philosophenstuhl“, „Glückliches Paar“, diesen „Pfad“ weiter bestücken, und somit Ascona um eine zusätzliche Touristenattraktion reicher machen. Die Tessiner Landschaft mit ihren Bergen und Seen, ihrer vielfältigen mediterranen Vegetation hat mich ungeheuer fasziniert; das milde Klima im „Sonnenerker“ der Schweiz verzaubert; die „Leichtigkeit des Seins“ beflügelt. Aber auch die sonntägliche TV-Sendung „Sternstunde“ hat mir einen gewaltigen geistigen Schub geschenkt. Diese Beiträge zu Literatur, Philosophie, Theologie, zu den Naturwissenschaften, haben mich zu mannigfaltigen „übersetzten“ Werken inspiriert.

4. Meine Muse und Mäzenin
Von ganz besonderer Bedeutung, für mich als Künstler, war jedoch meine Muse Frau Dr. v. Szalay, meine und meiner Frau geistige Begleiterin. In den letzten 50 Jahren hat sie uns in Gesprächen über Kunst, Literatur, Musik und Politik, durch ihren scharfen Intellekt, ihren Esprit, ihr Wissen bereichert, und uns zu geistigen Auseinandersetzungen angeregt. Sie hat mein ganzes Künstlerleben – in guten und in schlechten Zeiten – begleitet, und mich durch Fragen, Zustimmung und Kritik gefördert. Bei gemeinsamen Besuchen viel-fältiger Kunstausstellungen in München, Europa, und in der Welt (USA, Mexiko, Ägypten, Thailand, etc.) bekam ich durch unseren kritischen Gedankenaustausch stets Anregungen für meine Arbeiten. So entstanden allein in den 1990er Jahren mehr als 25 höchst differenzierte, detaillierte Graphiken. Durch Frau Dr. v. Szalay (Germanistin) fand ich heraus, wie ich Brücken zwischen Kunst und Literatur, Kunst und Musik, schlagen konnte, was die Symbolik und Synästhesien anbelangt. Diese Erkenntnisse konnte ich in meine Arbeiten einbauen. Auch lernte ich, Dichtung und Musik verbal zu interpretieren, und geschliffene Dialoge zu führen. Die Gespräche zwischen Künstler und Muse wurden mit zunehmendem Alter immer mehr zum geistigen Florettfechten, zu einem Ping-Pong-Gedanken-spiel.
Frau v. Szalay war aber nicht nur meine Muse, sondern wurde auch meine „Wohltäterin“. Als meine Frau Inge Anfang Januar 2003 an Alzheimer erkrankte, legte man mir nahe, dass ich mein Haus mit Atelier in Murnau, Im Lindenthal 10, verkaufen sollte, um die Heim-kosten im Altenheim „Lindenhof“ (Grafenaschau) bezahlen zu können. Frau Dr. v. Szalay kaufte mein Haus auf Leib-rentenbasis und bot mir lebenslanges Wohnrecht an. Ihrer außerordentlichen Großzügigkeit verdanke ich es, dass ich mein Haus und Atelier jederzeit benützen, und so meine bildhauerischen Entwürfe aus Ascona dort fertigstellen kann. Auch die Kosten der Grabstätte im alten Teil des Münchner Waldfriedhofes (Sektion 108), das Denkmal, mit einer meiner älteren Arbeiten „Künstlerehepaar Willy und Inge Guglhör“, und die Beerdigung finanzierte diese Frau. Ihre große, selbstlose Hilfe wird mir unvergessen bleiben.

Murnau, 30. Juni 2010
gez. Willy Guglhör