Metamorphose

Karibik: Traum einer erträumten Idealfigur
einer Badenden: Kopf
einer Badenden: Po und Beine
einer Badenden: Busen

Metamorphose I
Niemals Stillstand – unser Sein.
Ew‘ges werden – pantharei.
Ew‘ge Bewegung – Gesetz der Welt
Auch der Mensch – dem Wandel unterstellt
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Unsre Erde sich unaufhörlich dreht.
Sonne, Mond – ewig stille steht.
Und sieh‘ die Wolken – eilig zieh‘n.
Das Meer gibt sich Flut und Ebbe hin.
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Der helle Tag verglüht in dunkle Nacht.
Frühling bezwingt des Winters kalte Nacht.
Gut und Böses sich bekriegen.
Tod wird über Leben siegen.
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Auch unser Leben ist im steten Fluss
Auf kurzes Glück folgt Leid im Überfluss.
Hass und Liebe Dich bedrängen.
Fortunas Rad hält uns in Zwängen.

Metamorphose II
Unser Körper bleibt uns stets erhalten,
ob jung wir sind, ob langsam altern.
Wie gern wär‘ mach‘ kluge, hässliche Frau,
Dumm – dafür von schönem Körperbau.
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In Gedanken, Worten, Werken nur,
können ändern wir die Figur.
Knackig der Po, straff soll der Busen sein;
Lang und schlank und wohlgeformt des Bein.
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Am liebsten wär‘ uns ein neu‘ Gesicht,
Hohe Backenknochen, großer Augen Licht.
Unser Haar sei kräftig, lang und blond,
Der Mund sinnlich und wohlgeformt.
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Nicht nur die Frau wünscht sich neu zu sein,
auch den Mann würd’ne Wandlung freun.
Beide könnten sich so mehr verführen,
und herrlich vor der Welt brillieren.
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Solch’ne Metamorphose, mon amour,
schafft eines begnadt’en Malers Pinsel nur
auch ein Poet durch Worte neue Form erschafft.
Wir aber bleiben uns’rer Gestalt verhaft.

v. Szalay, Sommer 1991